Carl Christian Seltenreich (1765 - 1836)
Bedeutender evangelischer Theologe
Befasste sich mit dem Krankheitsbild der religiösen Melancholie und andere Formen von Geisteskrankheiten und betrat damit ein Grenzgebiet zwischen Theologie und Medizin
Dr. Carl Christian Seltenreich, ein im vorigen Jahrhundert für Sachsen durchaus bedeutender Theologe, ist heute einer breiteren Öffentlichkeit nicht mehr bekannt. Der Bearbeiter der Dresdner Friedhöfe um 1950, Oberlehrer Adolf Grafe, stuft dessen Grab sogar unter die verschwundenen bzw. unauffindbaren Stellen ein. Wohl sind das Kreuz mit Dreipassenden und ein Teil des Giebels heruntergebrochen, aber die Tafel mit den Namen und Daten der Familie Seltenreich steht unversehrt an die Rückwand des Erbbegräbnisses angelehnt.
Von seinem Geburtsort Kamenz, in dem er am 19. März 1765 als Sohn eines Schuhmachers zur Welt kam, führten Bildungsweg und beruflicher Werdegang über zahlreiche Stationen, ehe Seltenreich 1822 als Königlich Sächsischer Oberkonsistorialrat und Superintendent an die Kreuzkirche nach Dresden berufen wurde. Seit 1787 Magister in Leipzig, wurde er zwei Jahre danach Katechet an der dortigen Petrikirche. Die vielleicht entscheidenden Jahre zwischen 1789/1790 und 1798 als Prediger und Katechet im Zucht- und Arbeitshaus Torgau hatten kleinere Schriften über vorwiegend religiöse Melancholie und andere Formen von Geisteskrankheiten zur Folge. Seltenreich betrat damit ein Grenzgebiet zwischen Theologie und Medizin, einen bis dahin wenig erschlossenen Bereich. Weitere Wirkungsorte waren ab 1798 Eisleben, 1808 Wermsdorf, 1819 Zerbst und 1821 Freiberg.
Seitenlang ist die Liste der Titel seiner gedruckten Predigten und Anweisungen zur Ordnung des kirchlichen wie zivilen Lebens. Für Dresden sind zwei Ereignisse mit seinem Namen verbunden: zum einen 1834 die feierliche Einweihung des Trinitatisfriedhofes anlässlich der Erweiterung nach Osten durch die zweite Abteilung, leider aber auch in aktenkundigen Vermerken das geringe oder gänzlich fehlende Interesse am Fortbestehen des alten Johannisfriedhofs vor dem Pirnaischen Tor, so dass die Stadt Dresden 1858 bei dessen Auflassung leichtes Spiel hatte. Diese von ihm begünstigte Entwicklung hat der am 10. November 1836 Verstorbene allerdings nicht mehr erlebt.
|